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Drei Jahrzehnte Lebensmitteltüten auf dem Dreesch

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eit 30 Jahren unterstützt die evangelisch-lutherische Petrusgemeinde im Schweriner Stadtviertel Großer Dreesch Menschen mit Lebensmittelspenden. Rona Zerrahn-Bohn ist die Sozialberaterin der Kirchengemeinde und hat einen genauen Überblick über die ausgegebenen Beutel. An einem Donnerstag Mitte Juli waren es 456 Taschen auf die die Helfer:innen Gemüse wie Möhren, Pastinaken, Lauch und Champignons verteilt haben. 222 dieser Taschen wurden von der Schweriner Tafel gestellt, aber sie reichen schon lange nicht mehr, um allen Gästen der Kirchengemeinde einen angemessen gefüllten Beutel mit Lebensmitteln zu überreichen. Die Petrusgemeinde ist auch auf Geldspenden angewiesen. „Damit  kaufen wir Kartoffeln, Kohlrabi, Zwiebeln und was saisonal gerade günstig ist, direkt von den Bauern in der Umgebung“, beschreibt Zerrahn-Bohn die Anschaffung der Lebensmittel.

Supermarktspenden reichen nicht

Die Lebensmittelspenden der Supermärkte decken den Bedarf an kostenlosen Nahrungsmitteln bei weitem nicht. Nudel, Reis oder Konserven gehören sowohl bei den Tafeln als auch bei der Petrusgemeinde zu den Ausnahmen, denn Supermärkte spenden diese aufgrund der längeren Haltbarkeit selten. Wurst- und Fleischwaren wie auch Brot und Milchprodukte sind ebenfalls kaum in den Tüten zu finden. Zumeist ist es Gemüse aller Art, gefolgt von oft überreifem Obst. Deshalb freuen sich die Mitarbeiter:innen der Kirchengemeinde, wenn beispielsweise das Café Rothe immer wieder mal Brot und Brötchen liefert. Auch von der Fleischerei Lange gibt es Unterstützung durch Wurstprodukte und vom Restaurant Brinkama kam im letzten Monat eine Spende für Lebensmittel von 1.000 Euro.

Unbürokratische Hilfe für Geflüchtete und Bedürftige

Marcus Wergin, in der Petrusgemeinde zuständig für die sozialdiakonische Arbeit, bezifferte im Dezember letzten Jahres noch 250 Menschen, die Lebensmittelunterstützung in Anspruch nahmen. Im Juni 2022 waren es fast 600 Menschen. „Im Durchschnitt sind wir bei etwa 500 ausgegebenen Tüten, womit ungefähr 630 Menschen unterstützt werden“, so Rona Zerrahn-Bohn. 

Auch auf dem Dreesch sind die Folgen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine unmittelbar spürbar. Fast 250 Flüchtende aus der Ukraine sind bei der Lebensmittelausgabe registriert. Da viele von ihnen aber mittlerweile Unterkünfte gefunden hätten und damit die Lebensumstände weniger provisorisch sind, kämen nun auch weniger Geflüchtete zur Spendenausgabe, meint Zerrahn-Bohn. 

Andere Schweriner Bürger:innen müssen beispielsweise durch den Hartz IV- oder Rentenbescheid dokumentieren, dass sie an der Verteilung der Lebensmittel teilhaben dürfen. „Wir machen auch Ausnahmen, wenn Leute vergeblich auf angekündigte Zahlungen warten und einfach kein Geld mehr haben, um sich was zu essen kaufen zu können“, beschreibt Sozialarbeiterin Zerrahn-Bohn die Situation.

Ohne das Ehrenamt geht es nicht

Ohne die Mithilfe der mehr als 30 freiwilligen Helfer:innen ließe sich die wöchentliche Tütenausgabe nicht organisieren. Erst müssen die Spenden sortiert und in Kisten geordnet werden. Dann werden die  Beutel gepackt. Das alles nimmt den Vormittag in Anspruch. Ab 14 Uhr können Spenden abgeholt werden. Die rund 400 Gäste werden registriert, sodass ein Mehrfachbesuch ausgeschlossen ist. Die Einlasskontrolle regelt, dass die Gäste in kleinen Gruppen an die Stände treten. Mobil beeinträchtigte Gäste haben Vorrang, denn ihnen soll eine lange Wartezeit erspart bleiben. 

Gänzlich konfliktfrei läuft die Beutelausgabe nicht immer, erzählt Zerrahn-Bohn. Als Ende 2015 vermehrt Flüchtende aus Syrien und Afghanistan in der Warteschlange standen, habe es mitunter Streit mit den schon seit Jahren auf Hilfe angewiesenen Gästen aus der ehemaligen Sowjetunion, den Spätaussiedlern, gegeben. „Das ist schon eine Leistung, was unsere Leute da bei der Ausgabe organisieren“, ist Sozialarbeiterin Zerrahn-Bohn hörbar stolz auf die ehrenamtlichen Helfer:innen. 

Sie erinnert sich gut daran, als die Spender:innen aus der Innenstadt zum ersten Mal gesehen haben, welchen Aufwand eine reibungslose Organisation der Lebensmittelausgabe bedeutet. „Brot zu spenden ist immer willkommen, aber, dass dann Spender:innen auch noch tatkräftig mit angepackt haben, das hat uns doppelt gefreut“, so Zerrahn-Bohn.

Die Inflation macht sich bemerkbar

„Wir stellen fest, dass gerade in der Gruppe der Schwerbehinderten Leute zur Ausgabe kommen, die seit vielen Jahren nicht mehr kamen. Offensichtlich leiden sie unter den steigenden Lebensmittelpreisen und sind nun verstärkt auf uns angewiesen“, erklärt die Sozialarbeiterin. 

Periodisch prüft Zerrahn-Bohn die Bescheide, mit denen die Gäste die Berechtigung zur Lebensmittelausgabe belegen. Immer wieder fällt ihr auf, dass sie zu weiteren Leistungen berechtigt seien und gibt Tipps für die Antragstellung. Viele scheuen den Gang zu Ämtern und Behörden. Da sei der einfache Zugang in der Kirchengemeinde unkomplizierter. Deshalb ist im Haus der Gemeinde auch immer reger Betrieb bei den Beratungen und Sprechzeiten.

Wenn die Gesundheit nicht mitspielt

Die 60-jährige Rentnerin Marina Bleeck gehört zu den Menschen, die vom Angebot der Lebensmittelausgabe Gebrauch machen. Sie ist Mutter von sieben Kindern und lebt seit ihrer Scheidung 1995 auf dem Dreesch. Eigentlich wollte sie Krankenschwester werden. Einen Ausbildungsplatz dafür bekam sie aber nicht. Stattdessen ließ sie sich zur Köchin ausbilden. Das endete drei Monate vor Abschluss jedoch abrupt:„Ganz plötzlich bekam ich einen epileptischen Anfall und seitdem war es mit der Arbeit in einer Großküche, mit extremen Kalt- und Heißzonen vorbei“, so Bleeck. 

Nach sechs Jahren Therapie mit Medikamenten sei sie von der Krankheit geheilt gewesen, erzählt Bleeck. Gearbeitet habe sie immer wieder als Reinigungskraft und bei der Mitropa am Hauptbahnhof. Jeden Donnerstag hilft sie bei der Tütenausgabe der Petrusgemeinde mit. Danach geht sie zum nahegelegenen Keplerplatz und räumt auf. Fegen, Müll beseitigen und Flaschen sammeln, das macht sie ehrenamtlich zusammen mit den Helfer:innen vom ZiMT, einer generationenübergreifenden Bürgerschaftsinitiative.

Die Rente reicht nicht

Ihren Lebensunterhalt bestreitet sie durch ihre knappe Rente. Nach Abzug von Miete, Strom und Telefon bleiben ihr 50 Euro. „Und dann müssen noch Schulden beglichen werden“, erzählt Bleeck, die sie von ihrem verstorbenen Mann übernehmen musste. Deshalb ist die wöchentliche Lebensmittelhilfe der Kirchengemeinde eine willkommene Entlastung für die Haushaltskasse.

Gebraucht zu werden und etwas Sinnvolles tun

„Ich brauch den Kontakt zu den Menschen und habe schon viel ehrenamtliche Hilfe geleistet. Kürzlich erhielt sie für ihr langjähriges Engagement die EhrenamtsKarte MV. „Ich bin nicht unzufrieden, aber ohne die Zusammenarbeit hier in der Gemeinschaft, da würde ich mich aufgeben“, unterstreicht Marina Bleeck, wie wichtig für sie ihr ehrenamtliches Engagement ist. 

 


Bild von Birgit Schuntermann

 

Verein "Hand in Hand" informiert

Sommerfest in den Nachbarschaftstreff Tallinner Str. 42
Die Mitarbeiterinnen des Vereins organisierten für die Besucher Ihrer Treffs ein abwechslungsreiches Fest mit Kaffee, Kuchen, Bratwurst und Kartoffelsalat. Für die musikalische Umrahmung sorgte Andreas Röhrdanz. Vielen Dank dafür!
Wir möchten uns bei allen ehrenamtlichen Helfern ganz herzlich bedanken.

    

    

 

 "Die Platte lebt" e.V. informiert 

Kulturcafé 27. Juli 22
KulturCafé des Vereins "Die Platte lebt" heute im Café Kisch auf dem Großen Dreesch. Das Mecklenburg-Quartett unterhielt das Publikum mit plattdeutschen Liedern aus dem Norden. Es ist bewundernswert, wie gut die Stimmen der vier Frauen (alle 80+) miteinander harmonieren. Bei Liedern wie "Ick weit een Land", "Dat du min Leevsten büst", "Lütt Matten, de Haas" oder "Ick wull, ick wier noch kleen, Jehann", war Mitsingen oder Mitsingen durchaus erlaubt.
Da mein Mann und ich wieder genesen sind, konnten wir das Mecklenburg-Quartett mit einigen Liedchen unterstützen. Und: Wir alle hatten Spaß. Das Publikum auch.
    
  

 

 

 

 

 

 

 

 

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