Infobrief Stadtteilmanagement als PDF
PlattenPost vom Verein "Die Platte lebt"
Ab sofort haben die Helios Kliniken ein weiteres Abstrichzentrum auf dem Berliner Platz im ehemaligen Postamt eröffnet.
Hier können Sie sich von Montags-Freitags zwischen 10-16 Uhr ohne Termin kostenlos auf Corona testen lassen.
Wir waren heute während der Polizeisprechstunde und Bürgersprechstunde des Stadtteilmanagements mit der Kontaktbeamtin vor Ort und haben uns ausgetauscht.
Nutzen Sie das Angebot und sagen Sie es gern weiter.


Das Aktionsbündnis für ein friedliches und weltoffenes Schwerin hatte dazu eingeladen. Oberbürgermeister Rico Badenschier, Ronald Klinger von AMNESTY International, Stadtvertreter Daniel Trepsdorf, Peter Grosch von der Schweriner Tafel und Ulrike Rodriguez machten auf die aktuellen Probleme zwischen Armut, der geplanten Auslieferung von Julian Assange an die USA und der Flüchtlingskatastrophe an der Grenze zwischen Belarus und Polen aufmerksam. Die Band "Musikautomaten" sorgte für die musikalische Umrahmung und stimmte am Ende auch beim Lied "Freunde" mit ein.
Das frühere sprachheilpädagogische Förderzentrum wird grundlegend saniert und umstrukturiert
Das ehemalige Schliemann-Gymnasium ist nicht wiederzuerkennen. Die eine Hälfte des DDR-typischen Schulplattenbaus in Doppel-H-Form wurde bereits komplett umgebaut und vor zwei Jahren als Campus am Turm eröffnet. Dort befinden sich jetzt die Zweigstelle der Volkshochschule und das Stadtteilzentrum mit Sitz verschiedener Vereine und Institutionen. Die zweite Hälfte wird derzeit saniert und soll künftig zur Regionalschule mit Förderschwerpunkt Sprachheilpädagogik aufwachsen.
„Die Schule wird komplett erneuert und erweitert“, berichtet Projektleiter Robert Wilck vom Sanierungsträger LGE. „Wir haben das alte Gebäude praktisch völlig entkernt und verpassen dem Innern einen neuen Zuschnitt.“ Der Umfang der Maßnahmen sei vergleichbar mit dem Ausbau des Campus am Turm, werde jedoch nicht gespiegelt. Denn die Anforderungen an die Raumstruktur seien völlig anders.
„Wir brauchen zum Beispiel keinen zweiten großen Saal wie das Atrium im Cat. Deshalb wird der zweite Innenhof auch nicht überbaut“, erläutert Wilck. Dafür werde aber eine Mensa mit Küche gebraucht. Die soll als Anbau in Richtung Schulhof entstehen. Damit auch dieser Gebäudeteil vollständig barrierefrei wird, bekommt er einen zweiten Fahrstuhl. Als Haupteingang wird aber der zum Campus mit der Rampe genutzt. Von dort gehen die Schüler dann nach rechts in ihre Schule, die räumlich nur im Erdgeschoss mit dem Cat verbunden bleibt.
Doch nicht nur das Gebäude an sich bekommt einen völlig neuen Zuschnitt. Auch die Struktur dieser Schule ändert sich. Aus Förderschule und sprachheilpädagogischem Förderzentrum wird eine Regionalschule mit Fördergruppen. Sie soll aus der derzeitigen Grundschule aufwachsen. Die Klassen der Förderschule, die derzeit ins ehemalige Gagarin-Gymnasium auf dem Großen Dreesch umziehen mussten, werden auch nicht aufgelöst, sondern wachsen ebenfalls aus. Deshalb werde die neue Raumstruktur in der Regionalschule im Campus am Turm auch so angelegt, dass einige Räume flexibel nutzbar sind. „Nach dem aktuellen Stand haben wir nach Abschluss der Sanierung zehn Fachräume, 15 Klassenzimmer und sechs Gruppen- oder Lernräume“, so Wilck. Ende des nächsten Jahres soll das umgebaute Schulgebäude bezugsfertig sein.
Ausstellungspfad, Filmtage, Konzert, Stadtteilfest: Das 50-jährige Jubiläum des Dreeschs wurde wahrhaft gefeiert - trotz Corona. Nun gibt es auch ein Buch zum runden Geburtstag: „Wir sind Platte“ heißt das Werk mit 50 Geschichten von Frauen und Männern, die dem Dreesch auf ganz unterschiedliche Weise verbunden sind. Gefördert wurde das Projekt durch die Aktion „10.000 für 10“ von Helios-Kliniken und SVZ.
Hannelore Luhdo vom Verein „Die Platte lebt“ mit Sitz im Bertha-Klingberg-Haus in der Max-Planck-Straße hat den Band zusammengestellt. Das Cover gestaltete Horst Klinnert. Zu Wort kommen in dem Buch unter anderem Menschen, die den Dreesch mit gebaut haben, aber auch Schweriner, für die das Plattenbau-Gebiet zur Heimat wurde, und engagierte Bürger, die die Stadtteile Großer Dreesch, Neu Zippendorf und Mueßer Holz heute prägen. Geschichten aus der Zeit, als es auf dem Dreesch noch keine Kaufhalle gab, stehen neben Geschichten von Zuwanderern, die in den 1990er-Jahren nach Schwerin kamen.
An die Grundsteinlegung für den Dreesch in der heutigen Andrej-Sacharow-Straße am 11. November 1971 erinnert jetzt eine Gedenktafel - auch ein sichtbares Zeichen des Jubiläumsjahres. Auf einem Feld, praktisch im Nichts, sei eine Stadtentwicklung angestoßen worden, die 60.000 Menschen ein Dach über dem Kopf geboten habe, sagte Oberbürgermeister Rico Badenschier bei der Enthüllung am Jahrestag. „Und Wohnungen waren damals sehr begehrt.“ Heute stelle sich eine andere Aufgabe: Viele Menschen, die es sich leisten konnten, seien vom Dreesch weggezogen, so der OB. Das Problem der Segregation bedeute eine große Herausforderung, an der die Stadt aber arbeite.
Ein Ausstellungspfad mit zwölf Info-Blöcken läutete im Mai die Feiern zum Dreesch-Jubiläum ein. Mit einem „Quartier offen“, einem Tag der offenen Stadtteile, begann im August die heiße Phase. Vereine und Institutionen vom Dreesch boten spannende Einblicke in ihr Engagement. So gab es etwa Wasserspiele am Feuerwehrmuseum, die Möglichkeit zum Klettern beim Bauspielplatz und ein Street-Soccer-Turnier auf dem Berliner Platz.
Ebenfalls noch im August luden die Stadtteilmanagerinnen für Neu Zippendorf und das Mueßer Holz, Anne-Katrin Schulz und Sara Köhler, zur Begegnung bei den Filmtagen am Fernsehturm ein. Im September folgten dann ein Konzert mit der Schweriner Unplugged-Band Sconehead, das Stadtteilfest und die Eröffnung der Interkulturellen Wochen im Garten der Petrusgemeinde, im Oktober schließlich eine Lesung mit dem Autor Björn Stephan, der in Schwerin aufgewachsen ist.
„Wir haben mit unseren Veranstaltungen zahlreiche Menschen erreicht und einmal mehr die Vielfalt auf dem Dreesch gezeigt“, sagt Sara Köhler. Auch im neuen Jahr werde es kulturelle Angebote vor Ort geben. Ein Termin steht schon fest: Am 18. Juni findet das Stadtteilfest statt. Christian Koepke

Heute Vormittag fand die Übergabe der Schlüssel für den neuen Hort am CaT statt. Aufgrund der Landtagssitzung vertrat mich Viktor Micheilis. Auch MdB Ina Latendorf war vor Ort.


Bilder: Hennig Förster

Bild: Bernd Henke
Arm und Reich - ein Bericht von KATAPULT MV
Schwerin gehört zu den Städten mit der stärksten sozialen Entmischung der Bevölkerung – nicht nur in MV, sondern deutschlandweit. Der Lebensraum einkommensschwacher Menschen beschränkt sich auf wenige Stadtteile. Die Politik sieht Handlungsbedarf, damit der gesellschaftliche Frieden gewahrt bleibt.
Eine umfassende Untersuchung zum Thema „sozialräumliche Spaltung in Mecklenburg-Vorpommern“ hatte das Landesministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung beim Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) in Auftrag gegeben. Anfang 2020 präsentierte Professor Marcel Helbig in Schwerin seine Analyse der „sozialen Architektur“ ausgesuchter Städte in Deutschlands Nordosten.Geht es um die messbare räumliche Aufteilung einer Stadt in arme und besser situierte Viertel, so belegt Schwerin nicht nur in MV den ersten Platz. In einer vorangegangenen Studie wies die Landeshauptstadt auch im bundesweiten Vergleich unter 74 Städten den höchsten Wert der räumlichen Aufteilung in „Arm und Reich“ auf. Die Entmischung der Bevölkerung, in der Sozialwissenschaft als Segregation bezeichnet, wird mit dem sogenannten Segregationsindex berechnet. Die hiesigen Städte liegen mit einem Durchschnitt von über 35 bereits über dem Wert der ostdeutschen Städte (32,2), Schwerin mit über 45 ragt jedoch noch einmal deutlich heraus. In westdeutschen Städten, wenn auch mit deutlichen regionalen Unterschieden, liegt der Segregationsgrad bei durchschnittlich rund 25.
Wohnen und Arbeiten
Die Studie veranschaulicht die Armutsballung in den sogenannten Plattenbausiedlungen. Beim Vergleich innerhalb Schwerins sind die Stadtteile Großer Dreesch, Neu Zippendorf, Mueßer Holz und Lankow besonders auffällig. Ein Blick in die Statistik macht die Armutsgrenzen zwischen den Stadtteilen schnell sichtbar. Vergleicht man die Arbeitslosenquote, so liegt Schwerin ohnehin mit 9,3 Prozent deutlich über dem MV-Landesdurchschnitt von 7,1 Prozent. Schaut man auf die innerstädtische Verteilung der Arbeitslosigkeit, so ergeben sich für den Großen Dreesch 13,4 Prozent, Mueßer Holz 24 Prozent und Neu Zippendorf 17,8 Prozent. Im Kontrast dazu liegt der Arbeitslosenanteil im boomenden Neubauviertel Schwerins, der Werdervorstadt, mit 4,3 Prozent bei gerade einmal etwas über der Hälfte des Landesdurchschnitts. Diese aktuellen Zahlen, erhoben im Sommer 2021, zeigen im Vergleich mit den Zahlen des letzten Sozialberichtes der Stadt Schwerin in allen Stadtteilen der Plattenbausiedlungen eine Zunahme der Arbeitslosigkeit. Die Erwerbslosigkeit bei jungen Menschen unter 25 Jahren liegt in allen drei Stadtteilen noch deutlich höher. Weitere Indikatoren wie beispielsweise die Quote der nicht erwerbsfähigen Leistungsberechtigten zu Sozialleistungen oder die Schuldenquote verdeutlichen die großen sozialen Unterschiede in der Bevölkerung. Zu denen, die weniger als das Durchschnittseinkommen haben, gehören fast immer auch Menschen, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. In der ortsteilbezogenen Schweriner Statistik findet sich für Neu Zippendorf ein Ausländeranteil von knapp 20 Prozent, im Mueßer Holz sind es fast 30 Prozent. Der Schweriner Durchschnitt liegt bei 8,2 Prozent. Davon ist die Werdervorstadt mit 2,6 Prozent weit entfernt.
Mieten - wer kann sie bezahlen?
Bezahlbarer Wohnraum ist eines der wichtigsten Politikfelder, denen sich gerade die Parteien der neuen Landesregierung widmen wollen. Auch bei diesem Thema ist die räumliche Trennung in Arm und Reich in Schwerin deutlich sichtbar. Im Mietspiegel der Stadt heißt es denn auch: „In der Werdervorstadt ist die Bautätigkeit täglich zu spüren, hier entstehen seit Jahren die meisten Neubauwohnungen.“ Hier liegen die Wohnungsmieten bei bis zu 11,50 Euro pro Quadratmeter. Die Werdervorstadt ist damit unbezahlbarer Wohnraum für viele Menschen in der Stadt. Die Wohnungsmieten in Schwerin schwanken im Mittelwert je nach Ausstattung, Baualtersklasse und Größe der Wohnungen zwischen 4,55 und 9,90 Euro pro Quadratmeter.
Der Segregation entgegenwirken - eine Herausforderung
Zusammengefasst bleibt festzustellen: Die Einkommensschwachen, Sozialgeldbezieher, Arbeitslosen, Ausländer und an der Armutsgrenze lebenden alten Menschen wohnen ganz mehrheitlich in drei, vier Stadtteilen. Die Corona-Pandemie belastet schon allein aufgrund der schlechteren Wohnverhältnisse einkommensschwache Familien deutlich stärker als wohlhabende. Die sozialen Rahmenbedingungen haben sich nicht verbessert, im Gegenteil.
Bei den Diskussionen um die Ergebnisse der WZB-Studie waren sich die beteiligten Politiker:innen und Vertreter:innen von Wohlfahrtsverbänden über dringenden Handlungsbedarf einig. Der Schweriner Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) sieht es als eine der zentralen langfristigen Aufgaben der Politik, gegen die Entmischung zu arbeiten. Kürzlich meinte er in einem Interview dazu: „Wir müssen zum Beispiel unbedingt der Segregation entgegenwirken, um den sozialen Frieden in Schwerin zu bewahren.“ Zahlreiche Debatten über Förderanträge, Mittelbewilligungen, über Wohnungsbauförderprojekte und die Modernisierung von Stadtteilen wurden und werden geführt. Die Pandemie und die damit verbundenen Einkommensverluste bei gleichzeitig steigender finanzieller Belastung der öffentlichen Hand machen es nicht einfacher, die Teilung in arme Viertel/reiche Viertel zu überwinden. Heute sind die Voraussetzungen für eine Überwindung der Entmischung eher schlechter als besser. Die Schaffung von Stadtteilen, die „unerreichbar“ für Menschen mit niedrigem Einkommen sind, zementiert im Wortsinn die Segregation der Bevölkerung. Wie wird also in Zukunft in Schwerin gebaut? Ein Beispiel.
Warnitzer Feld - für eine soziale und nachhaltige Neubaustrategie
Nicht nur mit der Schaffung von weiteren Sozialwohnungen, wie zum Beispiel in der Werdervorstadt oder Paulsstadt, versucht die städtische Bauplanung der Segregation entgegenzuwirken. Frisch gekürte Preisträger des Städtebauwettbewerbs „Warnitzer Feld“ sind die Architekten Jan Uetzmann und Tev Wilhelmsen vom Hannoveraner Büro Mosaik. Mit ihrem Entwurf für ein Neubaugebiet im Nordwesten Schwerins wollen sie die Siedlungsfläche mit dem Naturraum möglichst vielfältig und umweltfreundlich verbinden. „Das neue Quartier soll den bestehenden Stadtteil sowohl strukturell als auch sozialräumlich und funktional ergänzen“, so die Architekten. Geplant ist ein Stadtviertel mit einer möglichst diversen Nachbarschaft. Bis 2025 soll ein Lebensraum für Jung und Alt, Besserverdiener, aber auch Einkommensschwache geschaffen werden. Familien wie auch Singles soll Wohnungseigentum wie auch Mietwohnungen angeboten werden. Die soziale Durchmischung sei neben Naturschutz- und Umweltaspekten ein wichtiges Kriterium im Ideenwettbewerb gewesen, so Andreas Thiele, Leiter des Fachdienstes Stadtentwicklung der Landeshauptstadt Schwerin. Realisiert werden kann das Neubauprojekt nach Planung, Beschlussfassungen und Feststellungsverfahren frühestens 2025.
Quelle:
Helbig, Marcel; Salomo, Katja: Sozialräumliche Spaltung in Mecklenburg-Vorpommern (3.12.2019).↩
Helbig, Marcel; Jähnen, Stefanie: Wie brüchig ist die soziale Architektur unserer Städte? Trends und Analysen der Segregation in 74 deutschen Städten, auf: bibliothek.wzb.eu (Mai 2018).↩
Die Kennzahl gibt den Anteil der Gruppe wieder, die den Wohnort wechseln müsste, damit eine für die untersuchte räumliche Einheit perfekte Gleichverteilung zustande käme. Dies ist ein theoretischer Wert, schafft aber Vergleichbarkeit.↩
Statistische Ämter des Bundes und der Länder (Hg.): Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Arbeitsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern, auf: statistikportal.de (15.12.2021). Statistisches Amt MV (Hg.): https://www.laiv-mv.de/Statistik/Zahlen-und-Fakten.↩
Landeshauptstadt Schwerin (Hg.): Ortsteilbezogene Statistik (30.6.2021).↩
Sozialbericht der Landeshauptstadt Schwerin, Schwerpunkt: Armutsrisiken, 2018.↩
Im Jahr 2017 erhielt in den Stadtteilen Neu Zippendorf und Mueßer Holz jedes zweite Kind in der Altersgruppe von 0 bis unter 15 Jahren Sozialgeld.↩
Mietspiegel der Landeshauptstadt Schwerin 2020/2021.↩
Manderscheid, Katharina; Gaedke, Lorenz: Ungleicher Familienalltag durch die Corona-Pandemie (Podcast), auf: coronasoziologie.blog.wzb.eu (22.11.2021).↩
Schweriner Volkszeitung vom 19. November 2021, Seite 10.↩
www.schwerin.de/news/3f84dfec-5dbc-11ec-b526-1967de695b51, digitales Pressegespräch, 15.12.2021.↩
Autor:in Peter Scherrer